{"id":2439,"date":"2025-12-15T11:59:11","date_gmt":"2025-12-15T10:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hamburgtrend.eu\/?p=2439"},"modified":"2026-01-20T21:52:20","modified_gmt":"2026-01-20T20:52:20","slug":"der-sound-des-nordens-die-geschichte-des-plattdeutschen-liedes-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hamburgtrend.eu\/de\/eternal-2439-der-sound-des-nordens-die-geschichte-des-plattdeutschen-liedes-in-hamburg","title":{"rendered":"Niederdeutsche Lieder in Hamburg"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit jeher war Hamburg mehr als nur ein bedeutender Seehafen; die Hansestadt war und ist ein pulsierendes Zentrum deutscher Kultur. Eine ganz besondere Rolle im Leben der Hamburger spielt dabei das Niederdeutsche \u2013 <strong>Plattdeutsch<\/strong>. Es ist weit mehr als ein blo\u00dfer Dialekt. Es ist der Herzschlag des Hafenlebens, geboren aus dem rauen Stimmengewirr der Matrosen und dem ewigen Rauschen der Wellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in den Liedern spiegelt sich die Seele der Stadt wider. Sie bewahren die hamburgische Identit\u00e4t, die Traditionen und den typisch trockenen Humor \u2013 allesamt unverzichtbare Bestandteile der Kultur nicht nur Hamburgs, sondern ganz Norddeutschlands. Ein Blick zur\u00fcck auf die musikalische Geschichte der Waterkant, basierend auf Berichten von <em><a href=\"https:\/\/hamburgtrend.eu\/de\">hamburgtrend<\/a><\/em>.<\/p>\n\n\n\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_74 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-custom ez-toc-container-direction\">\n<label for=\"ez-toc-cssicon-toggle-item-6a30f4dc507e6\" class=\"ez-toc-cssicon-toggle-label\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/label><input type=\"checkbox\"  id=\"ez-toc-cssicon-toggle-item-6a30f4dc507e6\"  aria-label=\"Toggle\" \/><nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/hamburgtrend.eu\/de\/eternal-2439-der-sound-des-nordens-die-geschichte-des-plattdeutschen-liedes-in-hamburg\/#Historische_Wurzeln_und_Anerkennung\" >Historische Wurzeln und Anerkennung<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/hamburgtrend.eu\/de\/eternal-2439-der-sound-des-nordens-die-geschichte-des-plattdeutschen-liedes-in-hamburg\/#Vom_Shanty_zum_Gassenhauer\" >Vom Shanty zum Gassenhauer<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/hamburgtrend.eu\/de\/eternal-2439-der-sound-des-nordens-die-geschichte-des-plattdeutschen-liedes-in-hamburg\/#Humor_und_Satire_als_Spiegel_der_Gesellschaft\" >Humor und Satire als Spiegel der Gesellschaft<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/hamburgtrend.eu\/de\/eternal-2439-der-sound-des-nordens-die-geschichte-des-plattdeutschen-liedes-in-hamburg\/#Plattdeutsch_heute_Ein_modernes_Revival\" >Plattdeutsch heute: Ein modernes Revival<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Historische_Wurzeln_und_Anerkennung\"><\/span>Historische Wurzeln und Anerkennung<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Begriff &#8222;Plattdeutsch&#8220; festigte sich in schriftlichen Quellen bereits im 17. Jahrhundert. Bis heute wird leidenschaftlich diskutiert, ob es sich dabei um einen Dialekt oder eine eigenst\u00e4ndige Sprache handelt. Fakt ist: Die <strong>Europ\u00e4ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen<\/strong> erkennt Niederdeutsch als sch\u00fctzenswerte Regionalsprache mit historischer Eigenart an.<\/p>\n\n\n\n<p>In Hamburg hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Plattdeutschen eine lange Tradition. Eine Pionierin auf diesem Gebiet war <strong>Agathe Lasch<\/strong>, die als erste Frau in Deutschland einen Lehrstuhl f\u00fcr Germanistik innehatte und sich intensiv der niederdeutschen Philologie widmete.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Vom_Shanty_zum_Gassenhauer\"><\/span>Vom Shanty zum Gassenhauer<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Im 19. Jahrhundert gewannen niederdeutsche Lieder in Hamburg massiv an Popularit\u00e4t. Lange Zeit existierten sie nur in der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung, bevor man begann, ihren kulturellen Wert zu dokumentieren. Diese Lieder waren ein Spiegelbild von Sehnsucht, Humor und dem harten Alltag. Sie wurden von Mund zu Mund weitergegeben und verbanden die Bewohner der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich stammten viele Melodien von Seeleuten, H\u00e4ndlern und Fischern, die sowohl bei der Arbeit als auch in ihrer Freizeit sangen. Eines der wohl bekanntesten Beispiele ist der Shanty <strong>&#8222;De Hamborger Veermaster&#8220;<\/strong>. Das <a href=\"https:\/\/hamburgski.eu\/de\/eternal-2022-die-lebensgeschichte-des-hamburger-stars-udo-lindenberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lied<\/a>, das teilweise im 19. Jahrhundert aufgezeichnet wurde, erz\u00e4hlt auf Platt vom harten Leben an Bord, garniert mit einer Prise Galgenhumor.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu wahren Legenden wurden die Br\u00fcder Ludwig und Leopold, besser bekannt als die <strong>&#8222;Gebr\u00fcder Wolf&#8220;<\/strong>. Ab 1895 begeisterten sie das Publikum mit Parodien und Couplets in ihrer Revue &#8222;Rund um die Alster&#8220;. Auch der Gassenhauer &#8222;Een echt Hamborger Jung&#8220; pr\u00e4gte diese Zeit. Doch ein Lied \u00fcberragt sie alle: <strong>&#8222;An de Eck steiht\u2019n Jung mit\u2019n T\u00fcdelband&#8220;<\/strong>. Das Lied \u00fcber den Jungen mit dem Reifen, der \u00c4pfel stibitzt, avancierte zur inoffiziellen Hymne der Stadt. Seine Premiere feierte es 1917 im &#8222;Bieber-Caf\u00e9&#8220;. Bemerkenswert ist, dass es sogar die Verbote der NS-Zeit \u00fcberdauerte, da es schlicht als &#8222;Volkslied&#8220; galt. Es wurde an der Front und in Lagern gesungen \u2013 ein Symbol f\u00fcr den unzerst\u00f6rbaren Hamburger Geist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Humor_und_Satire_als_Spiegel_der_Gesellschaft\"><\/span>Humor und Satire als Spiegel der Gesellschaft<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Niederdeutsche Lieder besangen nicht nur den Alltag, sondern kommentierten auch gro\u00dfe historische Ereignisse. Besonders spannend sind die satirischen Werke, die den Zeitgeist einfingen. Ein klassisches Beispiel ist das Lied <strong>&#8222;Jan Hinnerk&#8220;<\/strong>, das w\u00e4hrend der franz\u00f6sischen Besatzungszeit (der sogenannten Franzosenzeit) entstand. Es besang \u2013 und kritisierte \u2013 die damaligen Realit\u00e4ten, wurde beim einfachen Volk enorm popul\u00e4r und hat sich in authentischen Versionen bis heute erhalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"853\" data-id=\"2433\" src=\"https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-28.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2433\" srcset=\"https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-28.jpeg 1280w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-28-300x200.jpeg 300w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-28-768x512.jpeg 768w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-28-696x464.jpeg 696w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-28-1068x712.jpeg 1068w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiteres wichtiges Genre war das <strong>&#8222;<a href=\"https:\/\/hamburgfuture.eu\/de\/eternal2-4295-wie-sich-hamburg-in-10-jahren-gewandelt-hat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hamborger<\/a> Couplet&#8220;<\/strong>. In einer Zeit ohne Radio und Fernsehen verbreiteten sich diese Lieder wie ein Lauffeuer durch die Region. Ein Couplet ist ein mehrstrophiges, oft politisches oder satirisches Lied mit einem eing\u00e4ngigen Refrain. K\u00fcnstler wie Hein K\u00f6llisch, die Gebr\u00fcder Wolf und Charly Wittong machten das Genre gro\u00df. Sie verwandelten popul\u00e4re Melodien in witzige plattdeutsche Texte, die das Hamburger Alltagsleben, die Schrulligkeit der Bewohner und lokale Feste aufs Korn nahmen. Ob im Kabarett oder auf Volksfesten \u2013 diese Lieder waren das Sprachrohr der B\u00fcrger, um Stimmungen und Meinungen mit einem Augenzwinkern auszudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Plattdeutsch_heute_Ein_modernes_Revival\"><\/span>Plattdeutsch heute: Ein modernes Revival<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch wenn niederdeutsche Lieder heute nicht mehr die Charts dominieren, sind sie aus dem kulturellen Leben der Region nicht wegzudenken. Untersuchungen der Universit\u00e4t Hamburg zeigen, dass die Sprache f\u00fcr die Hamburger eine hohe symbolische Bedeutung hat: Platt ist <strong>kulturelle Identit\u00e4t<\/strong>. Es dient nicht nur der Kommunikation, sondern fungiert als akustisches Wahrzeichen f\u00fcr Norddeutschland und speziell f\u00fcr die Geschichte Hamburgs.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"853\" src=\"https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-29.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2436\" srcset=\"https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-29.jpeg 1280w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-29-300x200.jpeg 300w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-29-768x512.jpeg 768w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-29-696x464.jpeg 696w, https:\/\/cdn.hamburgtrend.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/62\/2025\/12\/image-29-1068x712.jpeg 1068w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Plattdeutsch ist keineswegs tot \u2013 es pulsiert sogar in den Clubs des Schanzenviertels. Junge Musiker sorgen daf\u00fcr, dass das Liedgut nicht in Vergessenheit ger\u00e4t, und interpretieren es neu. Ein hervorragendes Beispiel ist die 2009 gegr\u00fcndete Band <strong>&#8222;Die T\u00fcdelband&#8220;<\/strong>. Frontfrau Miriam Buthmann verbindet gekonnt alte Motive mit moderner Popmusik. Durch ihre regelm\u00e4\u00dfigen Auftritte und Touren bringen sie das Plattdeutsche zur\u00fcck auf die B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem helfen Liederb\u00fccher mit traditionellen Texten, das Erbe zu bewahren und die Entwicklung des niederdeutschen Liedes nachzuvollziehen. Die Geschichte des plattdeutschen Liedes in Hamburg reicht tief \u2013 von den Traditionen der Seeleute bis in die moderne Popkultur. Damals wie heute gilt: Wer das Herz der Elbmetropole wirklich sp\u00fcren will, muss ihren Liedern lauschen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Verwendete Quellen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.gebruederwolf.de\/de\/gebruederwolf.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.gebruederwolf.de\/de\/gebruederwolf.htm<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/plattdeutsch-2-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/plattdeutsch-2-104.html<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.uni-hamburg.de\/newsroom\/19neunzehn\/20190510-lokalforschung-plattdeutsch.html?utm_source\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.uni-hamburg.de\/newsroom\/19neunzehn\/20190510-lokalforschung-plattdeutsch.html?utm_source<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/xn--lnderzentrum-fr-niederdeutsch-0pc17e.de\/dat-hamborger-couplet\/?utm_source\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/xn--lnderzentrum-fr-niederdeutsch-0pc17e.de\/dat-hamborger-couplet\/?utm_source<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit jeher war Hamburg mehr als nur ein bedeutender Seehafen; die Hansestadt war und ist ein pulsierendes Zentrum deutscher Kultur. 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