Wolf Biermann, der deutsche Liedermacher, gilt als der berühmteste Dissident der DDR. Sein Leben und seine Kunst sind so eng mit den schwierigen Zeiten der deutschen Geschichte verbunden, dass das Deutsche Historische Museum in Berlin ihm eine eigene Ausstellung gewidmet hat. Mehr auf hamburgtrend.eu.
Biografische Stationen
Wolf Biermann wurde am 15. November 1936 in Hamburg geboren. Sein Vater, Dagobert Biermann, arbeitete als einfacher Werftarbeiter und war überzeugter Kommunist. Er kämpfte gegen das NS-Regime und wurde schließlich verhaftet. Wolfs Mutter wollte, dass ihr Sohn seinen Vater in Erinnerung behielt. Jeden Tag bereitete sie ihm kleine Leckereien oder Spielzeuge vor und sagte, dass sein Vater sie ihm „durch einen Mondstrahl“ geschickt habe.
1943 wurde Dagobert Biermann ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die offizielle Todesbenachrichtigung kam per Post in einem unfrankierten Umschlag. Wie Wolf Biermann später in seinen Memoiren schrieb, sei dies eine absurde Ironie der Holocaust-Zeit gewesen.
Während des Zweiten Weltkriegs musste sich Wolf Biermann als sechsjähriger Junge in Hamburg vor den Luftangriffen verstecken. Wie er später in seiner Autobiografie schildert, wollte seine Mutter nur, dass er überlebte, seinen Vater rächte und den Kommunismus aufbaute.
Als die DDR gegründet wurde, war Wolf 16 Jahre alt. Dieses neue sozialistische Land wurde für ihn zur „Verkörperung eines Traums“, zu seiner „wahren Heimat“. Er glaubte, dass es in diesem Staat möglich sei, ein Paradies auf Erden zu errichten. Wie sein Vater glaubte Wolf an den „wahren“ Kommunismus. In Ost-Berlin studierte er Wirtschaft, Mathematik und Philosophie. In dieser Zeit wurde er von den Werken des berühmten deutschen Dramatikers und Dichters Bertolt Brecht inspiriert.
Nach seinem Studium begann Biermann als Regieassistent am Berliner Ensemble zu arbeiten, dem legendären Theater von Brecht. Durch seine Theaterarbeit begann er, eigene Lieder zu schreiben und zu singen. Der Komponist Hanns Eisler, ein enger Freund und Weggefährte Brechts, wurde auf den jungen Liedermacher aufmerksam.
1963 gründete Biermann das Arbeiter- und Studententheater. Das erste geplante Stück sollte den Bau der Berliner Mauer thematisieren. Doch die Regierung missbilligte dieses Vorhaben – das Theater wurde geschlossen.
Künstlerische und politische Aktivitäten
Ab 1965 wurden öffentliche Auftritte von Wolf Biermann durch die DDR-Regierung verboten. Auch seine Texte durften nicht mehr veröffentlicht werden. Seine Wohnung wurde überwacht und abgehört, doch trotz der ständigen Kontrolle trafen sich dort viele Regimekritiker.
In seinen späteren Schriften erinnerte sich Biermann daran, dass er sich damals fühlte, als würde er auf die Weltrevolution warten.
Das Auftrittsverbot dauerte elf Jahre. Erst am 13. November 1976 durfte Biermann nach Köln reisen, um dort ein Konzert zu geben. 7.000 Zuschauer versammelten sich in der Halle, während der Barde auf einem Barhocker saß und seine Lieder mit der Gitarre begleitete.
Seine Konzerte gingen weiter. In seinen Liedern forderte Biermann die Menschen auf, nicht aufzugeben, sich nicht zu verhärten und nicht von Hass zerfressen zu werden. Seine Texte waren rebellisch, mutig und kämpferisch, inspiriert vom Kommunismus und revolutionären Ideen.
Sein Lied „Ermutigung“ wurde zur Hymne der Unbeugsamen in der DDR. Trotz der staatlichen Repression erschienen sechs Schallplatten mit seinen Liedern, und einige seiner Gedichte wurden in Westdeutschland veröffentlicht.
Die enorme Popularität Biermanns bewahrte ihn vor einer Gefängnisstrafe.
Internationale Bedeutung und spätere Jahre

Wolf Biermann wurde weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Er unterstützte Dissidenten und Protestbewegungen weltweit.
Im Oktober 2021 wurde er mit dem Ovid-Preis ausgezeichnet. Das Preisgeld spendete Biermann an Maria Kolesnikowa, die belarussische Aktivistin, die mutig gegen das Lukaschenko-Regime protestierte und dafür inhaftiert wurde.





