Der Zweite Weltkrieg beeinflusste alle Lebensbereiche der Hamburger. Die Bewohner der Stadt an der Elbe sahen sich mit Lebensmittelknappheit, Arbeitslosigkeit, Krankheiten und anderen Problemen konfrontiert. Ab 1943 litt die Stadt unter Bombenangriffen, die Tausende von Zivilisten das Leben kosteten. Die Ideologie des NS-Regimes beeinflusste die Kunst, insbesondere das Theater. Und es ist erstaunlich, dass trotz aller Widrigkeiten die Theater nach Kriegsende als eine der ersten wiederaufgebaut wurden und immer viele Zuschauer anzogen. Mehr dazu auf hamburgtrend.eu.
Der Einfluss des NS-Regimes auf die Theater
Hamburg hat den Status der „Theaterhauptstadt“ Deutschlands, und das wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt an der Elbe staatliche und private Theater, die bei Einheimischen und Touristen beliebt waren. Sie zeigten klassische und moderne Werke verschiedener Genres. Die Hamburger Theaterszene war berühmt für ihre Vielfalt und Freiheit – lokale Regisseure inszenierten Stücke, die verschiedene Themen ansprachen, Meinungsverschiedenheiten aufzeigten und eine breite Weltanschauung darstellten.
Alles änderte sich in den 1930er Jahren, als Adolf Hitler an die Macht kam und sich das NS-Regime in allen Regionen Deutschlands ausbreitete. Die Nationalsozialisten betrachteten die Kunst als eine mächtige Waffe, die das Denken der Menschen beeinflussen konnte. Bis in die 1940er Jahre gab es in Hamburg mehrere große staatliche Theater. Die beliebtesten darunter waren das Thalia Theater und das Deutsche Schauspielhaus. Die Aufführungen in diesen Häusern zogen ein breites Publikum an. Daher nutzten die Nationalsozialisten sie als mächtige Waffe.
In diesen und anderen Theatern Hamburgs wurden nun Inszenierungen aufgeführt, die die Ideen der Nationalsozialisten verbreiteten und sie als Helden darstellten. Jegliche Stücke, die der Ideologie Hitlers widersprachen, wurden verboten. Regisseure und Schauspieler, die sich weigerten, mit der Regierung zu kooperieren, wurden bestraft, einige von ihnen sogar getötet. Hunderte von Theatermitarbeitern wurden entlassen und erhielten ein Berufsverbot. Viele von ihnen waren gezwungen, das Land zu verlassen. Die Hamburger Theater wurden von der Reichstheaterkammer kontrolliert und waren ihr vollständig unterstellt.
Zerstörung und Verluste

Bis 1943, als die Nazi-Armee ihre ersten Niederlagen erlitt, wurden die Theater in Hamburg geschlossen. Alle Mitarbeiter wurden „gebeten“ – tatsächlich aber gezwungen – „sich für Kriegszwecke zur Verfügung zu stellen“. Die Theatergebäude wurden zunächst als Lager und später als Notunterkünfte genutzt. Als die ersten Bombenangriffe auf Hamburg begannen und die Zivilbevölkerung ihre Wohnungen verlor, waren sie gezwungen, in den unversehrten Gebäuden Schutz zu suchen. Da die Theater der Stadt geräumig und stabil waren, eigneten sie sich dafür gut.
Fatal wurde die Militäroperation „Gomorrha“, bei der Hamburg acht Tage lang bombardiert wurde. Die Alliierten, die gegen Deutschland kämpften, setzten neue Waffen ein, sodass die vorhandenen Luftschutzmaßnahmen der Stadt sich als wirkungslos erwiesen. Infolgedessen wurde die große Hafenstadt praktisch vollständig zerstört. Es gab kein einziges unversehrtes Theater mehr in der Stadt.
Vollständig zerstört wurde auch das berühmte Hamburger Opernhaus. Historiker bezeichnen diesen Verlust als einen der schwerwiegendsten im Bereich der Theaterkunst der Stadt. Das Hamburger Opernhaus wurde 1677 erbaut und war eines der ältesten Theater Deutschlands. Das Gebäude wurde mehrmals umgebaut. 1925 fand die Eröffnung eines Neubaus statt. Doch 1943 wurde dieses Gebäude vollständig zerstört, und es gelang nicht, die Werke und andere Kulturgüter daraus zu retten. Als in den 1950er Jahren mit dem Wiederaufbau des Hamburger Opernhauses begonnen wurde, genehmigte man einen Entwurf, der das Projekt von 1925 vollständig nachbildete.
Der Wiederaufbau der Theater
Die Hamburger Theater stellten ihre Arbeit während der Kriegsjahre bis zuletzt nicht ein. Obwohl sie unter dem Einfluss der NS-Propaganda standen, stärkten sie dennoch die Moral der Einheimischen. Als Hamburg nach Hitlers Niederlage allmählich wiederaufgebaut wurde und die Bewohner in ihre Heimat zurückkehrten, nahmen die Theater ihre Arbeit wieder auf.
Im Jahr 1945 musste für die Wiederbelebung des kulturellen Lebens der Stadt der Geist und die Stimmung des Nationalsozialismus bekämpft werden, die die Hamburger auf die eine oder andere Weise beeinflusst hatten. Der Verdienst für die schnelle Wiedergeburt der Theater gebührt den Theaterschaffenden, die die Kraft und den Mut fanden, gegen die Folgen des Nationalsozialismus anzukämpfen. Es waren Virtuosen ihres Fachs, die anfangs bereit waren, für Kohle zu arbeiten. Auch das Publikum, das zu den Vorstellungen kam, konnte mit Kohle bezahlen. Dies zeigt, wie stark die Liebe der Hamburger zur Theaterkunst war.
Eines der ersten Theater, das wiedereröffnet wurde, waren die Hamburger Kammerspiele, deren Leitung Ida Ehre, eine talentierte lokale Schauspielerin, übernahm. Im Dezember 1945 versammelte sie eine Gruppe von Schauspielern, mit denen sie begann, moderne Stücke zu inszenieren. Ida Ehre lud auch ausländische Schauspieler in ihr Theater ein, die frische Ideen einbrachten und das Publikum anzogen. Zudem kehrten zwischen 1946 und 1950 viele Regisseure und Schauspieler nach Hamburg zurück, die aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gezwungen waren, das Land zu verlassen.

Historiker sagen, dass die schnelle Wiederherstellung des Theaterlebens in Hamburg zeigt, wie stark der Durst nach Kultur sein kann. Auch heute lieben die Hamburger ihre Theater und nehmen sich gerne die Zeit für einen Besuch.



